| Naturschutztagebuch - Teil 9 |
Begleiten
Sie einen ehrenamtlichen
Naturschützer.
Lernen Sie die Natur
und den Naturschutz von einer anderen, persönlichen Seite kennen.

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Naturschutztagebuch - Forum
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BayernViewer - kostenloser Service von Karten und Luftbildern 30. Januar 2008 Die Bayerische Vermessungsverwaltung stellt seit kurzem den neu entwickelten "BayernViewer 2.0" im Internet kostenlos zur Verfügung. Damit können verschiedene Kartenwerke und Luftbilder über das Internet interaktiv betrachtet und für eigene Zwecke genutzt werden. Die Orthophotos (Luftbilder) haben eine hohe Auflösung. Lob für das Naturschutztagebuch 29. Januar 2008 ![]() Tom Konopka, der Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken beim Bund Naturschutz, hat einen Text über das Naturschutztagebuch geschrieben, den er so in der nächsten Ausgabe der Natur & Umwelt veröffentlichen möchte. Wenn ich schon mal ein dickes Lob einheimse, dann möchte ich Ihnen das nicht vorenthalten: Weltweit wohl einmalig dürfte der Einblick sein, den der Vorsitzende der Ortsgruppe Dinkelsbühl (Kreisgruppe Ansbach), Thomas Joas, unter www.naturschutztagebuch.de in sein Leben als Umwelt- und Naturschützer gibt. Kaum ein Tag, an dem der Berufstätige nicht von Aktionen wie "Apfelernte und Saftpressen im Arche Noah-Garten" per Filmchen, vom Edelkrebs, der Storchennest-Kamera oder über die Passivhaustage 2007 in Herrieden berichtet. So entsteht das Bild eines ehrenamtlich Tätigen, der in (fast) allen Bereichen des Natur- und Umweltschutzes aktiv ist und uns daran teilhaben lässt. Unglaublich. Thomas Ziegler lebt und schreibt 29. Januar 2008 ![]() Thomas Ziegler lebt und schreibt. Es geht weiter im Storchentagebuch auf www.storch24.de Sie werden nirgends sich besser und aktueller über Störche informieren können, als auf den Tagebuchseiten unseres Storchenexperten. Im Gegensatz zu mir beherrscht er deutsche Rechtschreibung. Unvergessen ist mir der Tag, an dem ich ihn bat, drei Seiten über die Störche zu schreiben. Also insgesamt. Die schreibt er seitdem. Jeden Tag. Wahnsinn! Mit mehr als 2.200.000 Millionen Besuchern gehört unsere Storchenseite zu den beliebtesten Internetangeboten des Naturschutzes. Die Plakette "Fledermäuse willkommen" 28. Januar 2008 ![]() Sie werden sich jetzt sicher fragen, warum der Joas im Winter mit Fledermäusen daherkommt. Kann der die nicht einfach pennen lassen? Klar, die sollen den Winter durchschlafen. Wir wollen sie nicht stören. Deswegen möchte ich Ihnen etwas über die Fledermausschützer erzählen, zumindest über die, die nicht gerade in Höhlen und Kellern unterwegs sind, um diese Tiere im Winterquartier zu zählen. Einer von ihnen, Bernhard Walk von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern, war nämlich heute im Ansbacher Landratsamt. Dort hat er vor dem Landrat und den Kreisräten im Umweltausschuß etwas über die Fledermäuse im Landkreis Ansbach erzählt. Von den 24 in Bayern nachgewiesenen Arten konnten immerhin 16 in unserem Kreis nachgewiesen werden. Ein entscheidender Aspekt bei den Fledermäusen ist der Quartierschutz. Das gilt für die Sommerquartiere ebenso wie für die Winterquartiere. Um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und für Akzeptanz von Fledermäuse als Untermieter zu werben, wurde die Aktion Fledermäuse willkommen ins Leben gerufen. ![]() Danach verlieh Landrat Schwemmbauer die Plakette an mehrere Bürger, die sich an ihren Gebäuden für den Schutz dieser Tiere eingesetzt haben. Da sind Hausbesitzer darunter, die seit vielen Jahren hunderte von Fledermäusen hinter ihren Fensterläden beherbergen. Die BN-Ortsgruppe Dietenhofen bekam die Plakette für die Instandsetzung eines verfallenen Bierkellers als Winterquartier. ![]() Die kleine Kirchengemeinde Düren wurde ebenfalls bedacht. Bei der Renovierung der Kirche wurde auf die 15köpfige Ansiedlung von Langohren geachtet. Die Kirche in Wassertrüdingen war sich seiner Verantwortung für eine der letzten Wochenstuben des Mausohrs im Landkreis wohlbewußt und beteiligte bei einer anstehenden Renovierung frühzeitig die Fachleute der Koordinationsstelle. Viele Beispiele könnten hier noch genannt werden. Doch diese Beispiele zeigen schon mehr als deutlich, dass fast jeder etwas zum Schutz der Fledermäuse tun kann. Vielleicht kann so eine kleine Plakete tatsächlich Menschen positiv beeinflussen. Ich weiß es nicht. Haben Sie auch Fledermäuse und freuen sich über Ihre Mitbewohner? Dann informieren Sie sich hier über die Plakette Fledermäuse willkommen (pdf). Wer weiß, vielleicht sieht dann jemand an Ihrem Haus diese Plakette und kommt mit Ihnen in ein Gespräch (bei dem Sie ihm von Fledermäusen vorschwärmen). Das Gespräch von Mensch zu Mensch ist im Fledermausschutz am wichtigsten. Josef Göppel stimmt als einziger Abgeordneter der CSU gegen das neue Gentechnikgesetz 25. Januar 2008 Angela
Merkel wollte es so und hat sich durchgesetzt. Die Bundesregierung
hat sich auf die Seite der Gentechnik-Industrie geschlagen und sich
damit gegen die Mehrheit der Bevölkerung gestellt. Das neue Gentechnikgesetz erleichtert die Nutzung von Gentechnik auf deutschen Äckern. Bei der Abstimmung im Bundestag hat der CSU-Abgeordnete Josef Göppel am Freitag als einziges Unionsmitglied gegen das neue Gentechnikgesetz gestimmt. Dafür bedanken wir uns bei unserem Stimmkreisabgeordneten und wünschen ihm weiterhin Mut und Geradlinigkeit bei seiner Gratwanderung als Umweltobmann der CSU/CDU-Fraktion. Auf dem Foto sehen Sie Josef Göppel im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Percy Schmeiser bei unserer Veranstaltung in Herrieden. Vielleicht hat ihn das ein wenig beeinflusst. ![]() Lesen Sie hier die ersten Stellungsnahmen von BUND und Josef Göppel zum neuen Gentechnikgesetz. Ein Wagenrad ist die neue Unterlage des Dinkelsbühler Storchennestes 23. Januar 2008 Als um 14 Uhr unser Storchenexperte Thomas Ziegler zum Alten Rathaus kam, hatte der Bauhof bereits das hölzerne Wagenrad als neue Nestunterlage montiert. Zwar können unsere Störche selber am besten ihre Nester bauen, aber etwas mehr Nestcharakter macht die Sache vielleicht für einen Storch einladender. Zumindest haben wir Menschen uns das so gedacht. Natürlich kommen für uns Eingriffe am Nest nur außerhalb der Brutzeit und in Abwesenheit der Störche in Frage. Ich darf Ihnen wieder einige Bilder von Carola Gaar hier zeigen. Das ist dann fast so, als ob Sie selbst dabei gewesen wären. ![]() ![]() ![]() Andreas Kamm versucht gerade die Internetübertragung der Bilder hinzukriegen. Thomas Ziegler wird demnächst wieder mit seinem lesenwerten Storchentagebuch beginnen. Die Störche sind schon im Anflug... Zwei Ansbacher Biberfamilien werden in England ausgewildert 22. Januar 2008 Wer kennt sie nicht, die hervorragenden Naturfilme der BBC aus England. In diesen Tagen war ein eben solches Kamerateam bei uns im Landkreis Ansbach unterwegs gewesen. Sie besuchten mehrere Biberreviere und konnten sich dabei persönlich ein Bild von der Renaturierungsleistung der Biber machen. ![]() Begleitet wurden sie von Gerhard Schwab, unserem hauptamtlichen Bibermanager beim Bund Naturschutz, und von Mitarbeitern der unteren Naturschutzbehörde. Ulrich Egerer vom Landratsamt hat mir freundlicherweise diese Bilder zur Verfügung gestellt. ![]() Das eigentliche Ziel der Dreharbeiten waren jedoch zwei Biberfamilien. Es handelt sich dabei um ein Elternpaar mit drei Jungtieren und ein weiteres Paar. Diese waren, nachdem sie erheblichen Schaden verursacht haben, in Lebendfallen gefangen worden und stehen nun für ein Auswilderungsprojekt in England zur Verfügung. In der Grafschaft Kent sollen sie mithelfen, ein umzäuntes Naturschutzgebiet zu renaturieren. In England wurden die Biber, aufgrund der Insellage, früher als sonst in Europa ausgerottet. Nun möchte man jedes Jahr 30 bis 40 Tiere auf die Insel holen. ![]() Da
es heute nur noch wenige Länder gibt, die bayerische
<Problembiber> haben wollen, werden sie mittlerweile nach dem
Fang getötet. Die Tötung ist nun der Regelfall. Ich habe deshalb
vor zwei Jahren meine ehrenamtliche Tätigkeit als Biberberater bei der
Regierung von Mittelfranken beendet. Die von mir gefangenen Tiere
und ihre Nachkommen leben heute u.a. in Rumänien. Natürlich ohne Zaun. Kopfweidenpflege in Weidelbach 22. Januar 2008 Die Frostperiode im Januar war ideal für eine spezielle Form der Biotoppflege, nämlich den Rückschnitt von Kopfweiden. An der Neumühle beim Dinkelsbühler Ortsteil Weidelbach haben wir selbst sowie ein privater Naturfreund vor 10 Jahren ein über 5 Hektar großes, zusammenhängendes Feuchtgebiet erworben. Das grabendurchzogene Gebiet in dem Schilf- und Seggenbereiche dominieren, haben wir der völligen natürlichen Entwicklung überlassen. Die botanisch wertvollsten Bereiche, wo u. a. Orchideen, Fieberklee, Trollblumen und Teufelskralle blühen, mähen wir teilweise selbst, auf Teilbereichen führt ein örtlicher Landwirt die naturschutzangepasste, extensive Nutzung durch. ![]() Begrenzt wird das Gebiet von einem ehemaligen „aufgesattelten“ Mühlbach, der sich in Privateigentum befindet. Entlang von diesem befindet sich der größte zusammenhängende Bestand an „Kopfweiden“ im südlichen Landkreis, insgesamt dürften es auf einen knappen Kilometer Länge verteilt etwa 250 Stück sein. Die meisten davon sind schon weit über 100 Jahre alt. Sie wurden einstmals in Kombination mit Erlen und Eschen bevorzugt an solchen Mühlbächen gepflanzt, um mit ihrem Wurzelwerk auf natürliche Weise die Ufer zu befestigen. Die Austriebe der Silberweiden wurden seit alters her alle etwa 15 Jahre in Kopfhöhe abgesägt und als Brennholz genutzt. Dadurch entstand die charakteristische „Kopfform“, die ökologisch äußerst wertvoll ist: In den Wucherungen bei den Neuaustrieben bilden sich im Lauf der Jahre Höhlen und Totholzbereiche, die von vielen Vogelarten wie z. B. Gartenrotschwanz, Steinkauz und verschiedenen Meisen als Brut- und Nahrungsraum genutzt werden. Auch Säugetiere wie z. B. Siebenschläfer und Iltis finden dort Unterschlupf. Die ausgeprägten Totholz und Mulmbereiche habe lebenswichtige Bedeutung für viele Insektenarten, z. B. totholzbewohnende Käfer. Zudem verlängert die Nutzung als „Kopfweide“ das Baumleben ungemein. Während die schnellwachsenden Baumweiden selten älter als 60 Jahre werden, führt die Verjüngung oberhalb des „Kopfes“ dazu, dass die Strünke bis zu 150 alt werden können – mit entsprechendem Höhlen- und Totholzanteil. ![]() Die Holznutzung solcher Bestände wurde in den letzten Jahrzehnten wegen Unwirtschaftlichkeit/niedriger Ölpreise meist aufgegeben. Wir als Naturschutzverband führen solche Arbeiten in gewissem Umfang, in Absprache mit den Eigentümern durch, um den seltenen, ökologisch ungemein wichtigen Biotpyp „Kopfweiden“ zu erhalten. Im Weidelbacher Fall geschieht dies schon seit Mitte der 1980er Jahre. Unser Mitarbeiter Herbert Wöffling schnitt zusammen mit FH-Praktikant Holger Halbmann und FOS-Praktikant Lukas Hahn etwa 50 Stück der dortigen Kopfweiden mit teilweise 40jährigen Austrieben. Diese anstrengende und auch gefährliche Arbeit erfordert viel Sachverstand. Mit der Seilwinde wurden die Stämme über den Graben gezogen und dort aufgebarbeitet. Das Stammmaterial verarbeiten die Eigentümer zu Scheitholz, das Restmaterial häckseln wir zu Hackschnitzeln – es erfolgt also eine komplette energetische Verwertung. Im Frühjahr werden die „Kahlköpfe“ wieder neu austreiben, in etwa 20 Jahren wird wieder ein Pflegeschnitt fällig sein. Finanziell wird die Maßnahme über den Landschaftspflegeverband gefördert. Am Altrathausdach wird die reparierte Storchenkamera montiert und die marode gewordene Nestunterlage abmontiert 14. Januar 2008 Die defekte Kamera, die am 21. Dezember vom Dach des Alten Rathauses heruntergeholt wurde, ist mittlerweile von unserem Techniker, Xaver Lingel, repariert worden. Innerhalb der Kamera war die Stromführung unterbrochen gewesen. Leider hat sich unser Plan, die Kamera auf einen beweglichen Drehkranz zu montieren und damit manuell steuern zu können, als nicht zu realisieren herausgestellt. Es wäre doch ein zu umfangreiches Vorhaben geworden, das unsere ehrenamtlichen Möglichkeiten in dieser knappen Zeit zu sehr in Anspruch genommen hätte. Das schöne Wetter wollten wir gleich ausnutzen, um mit einem erneuten Einsatz der Feuerwehrdrehleiter von Dinkelsbühl zum Dach des Alten Rathauses hochzufahren. Die nachfolgenden Bilder zeigen die Aktiven bei der Montage der reparierten Storchenkamera und bei der Demontage der Nestunterlage, ein marode gewordenes hölzernes Wagenrad. Sie sehen neben unserem Techniker Xaver Lingel und unserem Storchenexperten Thomas Ziegler auch einige Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr von Dinkelsbühl und Mitarbeiter des Bauhofes. An alle Helfer noch einmal vielen Dank! Die Bilder habe ich freundlicherweise von Carola Gaar zur Verfügung gestellt bekommen, nachdem ich leider an diesem Termin aus beruflichen Gründen verhindert war. Impressionen ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() In den nächsten Tagen werden Sie endlich wieder ein Live-Bild auf unserer Storchenseite zu sehen bekommen. Der Bauhof wird in der Zwischenzeit eine neue Nestunterlage am Dach des Alten Rathauses montiert haben. Das Politikergeschwätz eines Umweltministers Bernhard von "Laptop und Lebermoose" 09. Januar 2008 Einen Tag bevor Bayerns Umweltminister Otmar Bernhard den neuen Umweltbericht 2007 mit den Worten "Laptop und Lebermoose - In Bayern gehen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz zusammen" vorgestellt hat, habe ich folgenden kleinen Artikel in der Süddeutschen Zeitung gelesen: "Jede zweite Tierart in Bayern bedroht Umweltminister Otmar Bernhard will ein Landeskonzept zum Erhalt der bayerischen Artenvielfalt entwickeln. Dafür sollen bewährte Naturschutzinstrumente unter dem Motto Natur, Vielfalt, Bayern gebündelt werden. Am Dienstag beriet der Ministerrat über Möglichkeiten einer eigenen ressortübergreifenden sogenannten Biodiversitätsstrategie gegen den drohenden Arten- und Lebensraumschwund. Bernhard sagte, dass praktisch jede zweite Tier- oder Pflanzenart, die in Bayern vorkommt, mittlerweile in den Roten Listen auftauche. Allerdings sprach sich der Umweltminister dagegen aus, neue rechtliche Vorgaben zu machen, es reiche aus, Bewährtes weiterzuentwickeln." Nun darf ich Ihnen aus meiner Sicht schildern, was dort eigentlich konkret gesagt wurde. Eigentlich nichts. Nur blabla. Aber trotzdem einige Gedanken von mir dazu. Wissen Sie, im Mai werden sich in Bonn rund 10.000 Delegierte aus der ganzen Welt zu einer UN-Naturschutzkonferenz treffen, bei der es um den Erhalt der biologischen Vielfalt gehen soll. Die Bayern wollen da natürlich nicht mit leeren Händen dastehen. Man kann auch schlecht die Lage schön reden. Die vielen Fachleute im Ministerium haben schon die Fakten auf den Tisch gelegt, für alle sichtbar. Außerdem haben die Politiker schon auch wahrgenommen, dass den Wählern der Natur- und Umweltschutz nicht ganz egal ist. Natürlich will man nicht ernsthaft was tun gegen den Verlust der Artenvielfalt. Dazu wäre ja lange genug Zeit gewesen, um gegenzusteuern, um konsequent zu handeln. Fügen wir doch einfach den vielen, unendlich vielen Konzepten ein weiteres hinzu, ein Landeskonzept. Als ob es das nicht schon längst gäbe. Und es klingt auch noch gut. Darauf kommt es schließlich an. Ich fasse zusammen. Wir waren Zeugen von Politikergeschwätz. Es wird uns im Vorfeld der UN-Naturschutzkonferenz noch öfters angetan werden. Bitte verzeihen Sie mir meine polemischen Worte. Vielleicht werde ich eines besseren belehrt und ich erlebe eine Umweltpolitik, die den vielen Worten endlich Taten folgen lässt. Mit den besten Grüßen von einem, der viel redet/schreibt und viel macht. Geht doch! Der Nutria - ein Südamerikaner an der Wörnitz 06. Januar 2008 In Diederstetten, einem kleinen Ort an der Wörnitz, wurde mehrfach in den letzten Tagen ein Tier beobachtet, dessen Heimat eigentlich Südamerika ist: der Nutria. ![]() Diese beiden Tiere haben jedoch eines gemeinsam: sie haben regelmäßig Hühnerställe aufgesucht, um dort Nahrung zu suchen. ![]() Der Nutria ist ein semiaquatisches, d.h. ufergebunden lebendes Säugetier. Die Wörnitz scheint dieses Tier als Wasserstraße für seine Verbreitung zu nutzen und ist mit einem reichen Pflanzenwuchs im und am Wasser zugleich ein geeigneter Lebensraum. ![]() Aber wie kommt nun ein Tier, das
im subtropischen und gemässigten Südamerika zuhause ist, an
die Wörnitz in Mittelfranken? Hier muss man wissen, dass es in Deutschland früher viele Pelztierfarmen gab, die Nutrias gehalten haben. Die heute in Deutschland - vorallem in Ostdeutschland - freilebenden Populationen gehen auf entwichene oder ausgesetzte Farmtiere zurück. Es gibt aber auch eine Einwanderung aus dem französischen Raum. In der Camargue wollte man damit Fischteiche von allzu reichem Pflanzenwuchs befreien. In Bayern gibt es bisher nur wenige bekannte Vorkommen. Deshalb ist der Nutria an der Wörnitz auch etwas, womit viele nicht gerechnet haben. Bisher nahm man an, dass der Nutria mit unseren kalten und schneereichen Wintern nicht zurechtkommt. Aber die Winter sind ja auch nicht mehr das, was sie einmal waren, und der Nutria ist sehr vermehrungsfreudig. Bei YouTube gibt es auch über
alles einen Film Der Nobelpreisträger Percy Schmeiser spricht bei uns in Herrieden zum Thema Gentechnik und Monsanto 05. Januar 2008 ![]() Die
1. Veranstaltung unseres Bündnis für einen gentechnikanbaufreien
Landkreis Ansbach und dann kommt gleich ein Nobelpreisträger. Was sind
wir doch Kinder des Glücks. Am 8. Dezember hat das Ehepaar Percy und Louise Schmeiser aus Kananda den alternativen Nobelpreis in Stockholm für ihre juristische Auseinandersetzung mit dem Gensaatgutkonzern Monsanto: „für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern, und dafür, dass sie die derzeitige ökologisch und moralisch perverse Auslegung des Patentrechts in Frage stellen”, verliehen bekommen. Während seine Frau Louise anschießend nach Hause gefahren ist (einer muss sich ja um Haus und Hof kümmern), ging Percy Schmeiser on Tour durch Europa. Helmut Altreuther, unser BN-Kreisgeschäftsführer, hatte davon erfahren und ihn sofort für uns "gebucht". ![]() Ich muss zugegeben, ich bin mit etwas gemischten Gefühlen zum Bergwirt nach Herrieden-Schernberg gefahren. Was, wenn wir einen Nobelpreisträger da haben und der Saal wird nicht voll? Interessiert das Thema Gentechnik überhaupt die Menschen? Das waren die Fragen, die mir auf der Hinfahrt durch den Kopf gegangen sind. Als wir ankamen, habe ich mich gefreut, darüber keinen Parkplatz zu finden, darüber so viele Fahrzeuge auf der Strasse in einem kleinen Stau stehen zu sehen. Auch im Saal war einiges schon los. Der Nebenraum musste geöffnet werden und ständig kamen Menschen hereingeströmt und brachten von draußen sich Stühle mit. Es waren zwischen 400 - 500 Menschen gekommen, um sich anzuhören was Percy Schmeiser uns über seine Erfahrungenen mit der Gentechnik zu sagen hatte. ![]() Wie ich später erfahren sollte, war das nicht nur bei uns der Fall. Überall im Land füllte Percy Schmeiser und das Thema Gentechnik die Hallen. Er kam mit etwas Verspätung. Seine dritte Veranstaltung war das heute bereits. Er hat sich viel vorgenommen: in zwei Wochen 39 Termine. Heute war sein 77. Geburtstag! Spontan stimmte der Saal ein Geburtstagsständchen an: Happy Birthday to you. Happy Birthday dear Percy! ![]() Rüdiger Christ, einer unserer Ansprechpartner im Bündnis, machte die Begrüßung und stellte das Bündnis für einen gentechnikanbaufreien Landkreis Ansbach vor und bat um Mitarbeit. ![]() Dann
ergriff Percy Schmeiser das Wort und blieb drei Stunden lang auf dem Podium. Seine Rede wurde von Walter Haefeker
übersetzt. Er sprach gleich das Thema Gene an. Sein Großvater stamme
nämlich aus Rosenheim. Die Familie seiner Großmutter aus Österreich und
der Schweiz. Die Vorfahren seiner Frau kommen aus Luxemburg und Ungarn.
Womit sich in seinen fünf Kindern das Beste aus Europa zusammengefunden
habe - und dies garantiert ohne Gentechnik. Ich versuche hier mit meinen eigenen Worten zusammenzufassen, was Percy Schmeiser gesagt hat und ich hoffe, es gelingt mir einigermaßen und zu Ihrer Zufriedenheit. Er blieb die ganze Zeit über sehr sachlich und freundlich. Mal gucken, ob mir das auch gelingt. Mit der Gentechnik hat Percy Schmeiser nur schlechte Erfahrungen gemacht, seit diese 1996 in Kanada zugelassen worden ist. Er ist Saatgutzüchter und auf seinen Feldern tauchten zuerst die gentechnischveränderten Raps-Pflanzen von Monsanto und dann deren Anwälte auf. Monsanto forderte von ihm 1.000.000 Kanadische Dollar als Entschädigung. Monsanto sei ein Konzern, so Schmeiser, der in 30 Jahren die Nahrungsversorgung über das Saatgut weltweit unter seine Kontrolle bringen möchte. Der anschließende Rechtstreit kostete Schmeiser 400.000 Kanadische Dollar an Anwalts- und Gerichtskosten und ruinierte den Familienbetrieb beinahe. Er selbst sprach von einer Hölle, durch die er mehrere Jahr lang hindurchgehen musste. Der Weltkonzern Monsanto hatte an Anwaltskosten 2 Millionen Kanadische Doller zu bezahlen. Solche Summen treffen einen Bauern, nicht jedoch einen Weltkonzern. Die Geschichte David gegen Goliath ist wieder einmal zu erzählen. In Kanada gibt es heute bei Soja und Raps kein gentechnikfreies Saatgut mehr zu kaufen. Die 50jährige Saatgutzucht und -vermehrung von Percy Schmeiser, sein Lebenswerk, war kontaminiert, ja vernichtet worden. Er selbst ist nicht in die Heimat seiner Vorfahren gekommen, um uns zu sagen, was wir tun sollen. Er berichte nur von seinen Erfahrungen. In Kanada werden seit zehn Jahren keine neuen gentechnisch veränderten Pflanzen mehr zugelassen. Dort seien die negativen Folgen erkannt worden. Die Bevölkerung lehnt mittlerweile die Gentechnik mehrheitlich ab. Die Versprechungen der Gentechnik-Konzerne - mehr Ertrag, mehr Nährwert und weniger Chemie - seien nicht eingehalten worden. Das Gegenteil sei eingetreten. Percy Schmeiser vertritt drei Grundthesen: 1. Koexistenz ist nicht möglich (also entweder Gentechnik oder keine) 2. Agro-Gentechnik macht den Nachbau unmöglich (Patente + Terminatortechnologie) und gefährdet die Biodiversität 3. Agrogentechnik ist ein Angriff auf die Menschenrechte (Kein Patent auf Leben!) Wenn wir uns für die Gentechnik entscheiden, gibt es kein zurück mehr. Das veränderte Gen ist das dominate. Es breitet sich aus und kann auch durch immer größer werdende Abstandsflächen nicht aufgehalten werden. Vom Winde verweht, von der Biene über Kilometer hinweggetragen, dorthin wo es keiner haben will. Am Anfang sprach man noch von wenigen Metern, die als Abstandsflächen ausreichen würden. Diese genannten Abstandsflächen werden von Jahr zu Jahr größer und werden dann immer noch nicht ausreichen. Die Konzerne haben eine perverse Strategie, mit der sie uns mürbe machen wollen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass überall zumindest in Spuren eine GVO-Verschmutzung festzustellen ist? Das scheint Methode zu haben. Unser Widerstand soll mit dieser schleichenden GVO-Verschmutzung gebrochen, wir sollen demoralisiert werden. "Was können wir schon tun, da die Gentechnik schon weltweit überall vorhanden ist und nicht mehr aufzuhalten...". Stop! Auch hier ist die Realität eine andere. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind nicht die Mehrheit und noch haben wir in Europa die Wahl! Wir müssen eben nur auf unsere Politiker "aufpassen". Ihnen jetzt vor den Wahlen die richtigen Fragen stellen und deutlich unsere Meinung sagen, was wir wollen und was nicht. Wir wollen diesen Dreck nicht haben. Hört ihr! Ich wäre gern ein Mäusschen und würde mal gucken, woher die Gelder kommen, die in Versuche, in die "Wissenschaft" und die Lobbyarbeit fließen. In Kanada waren die staatlichen Stellen mit Monsanto finanziell verbandelt, ja am Gewinn beteiligt. Ist das in Deutschland ebenso vorstellbar? Möchten Sie, dass es auf Leben, egal ob es tierisch, pflanzlich oder menschlich ist, ein Patent geben darf? Wenn nicht, dann stehen Sie noch heute auf und rufen Ihren Abgeordeneten an. Haben Sie schon mal etwas von einer Terminator-Technologie gehört? Dies bedeutet, der Same ist steril, er kann sich nicht fortpflanzen, er kann sich aber in andere Pflanzen auskreuzen und diese steril machen. Nur die Pflanzen? Es gibt bei dem Verfahren ein Terminator-Gen und ein Betrüger-Gen. Die Pflanze wächst, trägt erst Frucht, wenn Sie sie diese mit einem chemischen Produkt, na raten Sie mal von welcher Firma?, behandelt haben. Die Frucht können Sie dann ernten, aber nicht noch einmal aussäen. Vor der Aussaat müssen Sie erst wieder zum Saatguthändler Ihres Vertrauens und Ihrer Abhängigkeit. "Das ist der größte Angriff auf das Leben, dass es je auf unserem Planeten gegeben hat", sagt Percy Schmeiser. In Kanada seien, lt. Schmeiser, die Landwirte in Knebelverträgen der Kontrolle über ihre Felder beraubt worden. Sie hätten nicht nur hohe Lizensgebühren pro Hektar zu bezahlen, sondern müssen Saatgut, Dünger und Chemikalien exklusiv bei den Konzernen abnehmen. Will ein freier Bauer das? Der bayerische Bauernverband hat aktuell erklärt, er stehe bei der Gründung von gentechnikanbaufreien Zonen in Bayern an vorderster Stelle. Wo bitte ist denn da der Bauerverband des Landkreises Ansbach? Kuckuck! Wo seid ihr! Aufwachen! Interessen der Bauern vertreten! Wo ist die Politik gewesen. Ein voller Saal voller Volk und keine Volksvertreter? Doch. Grüne Politiker kann ich ausmachen. Und noch einen. Den Göppel Josef, unseren Bundtagsabgeordneten in Berlin. Den Umweltobmann der CDU-CSU-Fraktion. Der Vortrag von Percy Schmeiser scheint ihn bewegt zu haben. Doch auch seine Partei? Vorsicht, die wollen den Dreck tatsächlich durch die Hintertür reinschmuggeln. Es gibt Hinweise, dass die Gentechnik für die menschliche Gesundheit abträglich sein soll. ![]() Der Verlust der Artenvielfalt, der Verlust von einheimischen Saatgut. In Mexiko hat man 10.000 verschiedene Maissorten. Davon ist bereits die Hälfte kontaminiert. Monsanto entwickelte sich vom Chemiekonzern zu einem Saatgutkonzern und kauft Saatguthersteller weltweit auf, auch biologische. Die Vielfalt gerät in Gefahr! Ich möchte nicht auf einem Konzern herumreiten. Er ist nicht der einzige, der mit dem Leben spielt und den wir noch spielen lassen. Dieser Konzern hat mit seinen Methoden, von denen ich nicht weiß, ob sie auch in Deutschland angewandt werden, Unruhe in die ländlichen Räume gebracht und dort die soziale Gemeinschaft zerstört. Percy Schmeiser will im Januar Monsanto auf Schadensersatz verklagen. Sein Kampf ist durchaus auch christlich motiviert: Es darf auf Pflanzen oder Lebewesen keine Patente geben. ![]() Mit mir ist mal wieder der emotionale Gaul durchgegangen. Ich hoffe, es ging nicht zu sehr auf Kosten der sachlichen Information. Neben der Biodiversität und dem Klimawandel ist eben die Gentechnik mein "Steckenpferd". Darauf werde ich noch öfters hier rumreiten. Leider - ich darf es hier erwähnen - ist meine Kamera nun seit mehr als drei Wochen in Reparatur. Sonst wäre hier natürlich ein kleines Film-Interview zu sehen und ich hätte mich nicht so in Rage schreiben brauchen. Doch was ist nun zu tun? Machen Sie mit bei unserem oder bei Ihrem Bündnis bei sich zu Hause, bringen Sie sich aktiv mit ein und dann los in die Bierzelte, wo diese Freibiergesichter von Politikern, die an diesem Abend nicht da waren, sich immer gewöhnlich aufhalten und sich selbst beweihräuchern. Es ist an der Zeit, dass unsere Politiker auf allen Ebenen von uns gefragt werden: Wie stehen Sie zur Gentechnik? Wir haben (noch) die Wahl ! Wollen Sie wissen, wo Percy Schmeiser noch alles in Deutschland auftritt? www.percy-schmeiser-on-tour.org Filmbeitrag über den Besuch von Percy Schmeiser in Neumarkt Filmbeitrag über Percy Schmeiser auf dem Münchner Odeonsplatz Viele weitere Informationen zum Thema Gentechnik finden Sie z.B. unter www.keine-gentechnik.de www.bienen-gentechnik.de www.saveourseeds.org www.biokreis.de www.bund.net www.greenpeace.de www.gmofree-europe.org www.umweltinstitut.org www.standortregister.de Ihnen ein gutes neues Jahr 2008 01. Januar 2008 ![]() Ich möchte Ihnen ein gutes neues Jahr wünschen und ich hoffe, Sie haben sich etwas Zeit in den Tagen zwischen den Jahren für sich genommen. Zumindest habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. >Gelassenheit< ist mein Vorsatz, den ich mir für das neue Jahr persönlich vorgenommen habe. Allerdings möchte ich es nicht mit Nichtstun gleichgesetzt wissen. Man versäumt so viel im Leben, weil man schüchtern ist oder sich nicht traut. Eine persönliche Bilanz oder gar einen Rückblick auf das vergangene Jahr verkneife ich mir, sonst ist schon am ersten Tag meine neu gewonnene Gelassenheit wieder dahin. Der Bund Naturschutz in Bayern hat für das Jahr 2007 eine positive Bilanz gezogen. |